Vor einem Jahr der Sturz, die erste Nähe, die ersten Stunden alleine mit dem erwiesenermaßen besten Mann der Welt.
Ein Jahr.
Ein wunderbares Jahr.
.............. a little bit chaotic and disorganized but everything has its place in the middle of chaos
Für den Mann an meiner Seite und mich hat der Frankfurter Wäldchestag eine ganz eigene, zutiefst persönliche Bedeutung. Letztes Jahr war es das erste Mal, das wir als Paar dort zum Treffen mit seinen Freunden und Bekannten erschienen sind.
Das erste Mal, nachdem die Entscheidung für ein "Wir" gefallen ist.
Auch in diesem Jahr waren wir wieder dort. Auch in diesem Jahr sind wir wieder mit dem Lieschen gefahren.
Ebenso wie wir uns auch in diesem Jahr mit seinen Freunden und Bekannten auf das eine oder andere Bierchen getroffen haben um beim Wäldchesschießen zuzuschauen. Und auch in diesem Jahr war es wieder sehr lustig.
Was allerdings in diesem Jahr anders war, was mir sehr zu Herzen gegangen ist und mir das Pipi in die Augen getrieben hat war das hier . . . sein Geschenk, kurz bevor wir heimgefahren sind . . .
Zurück aus Frankreich haben der erwiesenermaßen beste Mann der Welt und ich erst einmal Wäsche waschen und einkaufen müssen. War ja nichts mehr im Haus. Und so ergab es sich, dass wir eine Spargelwoche hatten. Völlig ungeplant, aber das ist ja nicht wichtig.
Am Sonntag gab es frischen Spargel mit Wildschwein-Bratwurst. Und dazu eine Flasche Champagner, die der erwiesenermaßen beste Mann der Welt tatsächlich während unserer Tour gekauft und 2 Tage vor mir versteckt hat. Ich habe davon echt nichts mitbekommen. Dafür war es dann umso schöner, die dann zuhause in der Küche mit ihm auf einen wunderbaren Urlaub trinken zu können.
Freitag hat mit der Mann an meiner Seite dann mal wieder Pizza selber gemacht. Inzwischen hat er den Dreh raus, wie das mit seinem neuen Backofen klappt. Und die ist wirklich gut. Da habe ich beim Italiener schon schlechtere bekommen.
Freitag wurde dann auch das Geraffel zusammengesucht für die Fahrt zum Motorradtreffen bei Worms. Der Wetterbericht war zwar nicht wirklich gut, aber „Schönwetterzelten ist was für Weicheier“ [Zitat Ende]. Hmpf, da wäre ich doch gerne Weichei, wenn das wirklich nass und kalt werden sollte.
Nachts hat es dann doch kurz geregnet. Die Kuh war zumindest feucht. Aber so etwas hält den Mann an meiner Seite ja nicht davon ab, sich für den letzten Tag noch ein paar schöne Kurvenstrecken zu suchen. Und auch der stellenweise bleigraue Himmel ist dafür kein Grund. Also habe ich mich dann nach dem Frühstück halt wieder in die Regenhose gepellt. Nur so als Vorsichtsmaßnahme. Wenn ich die nämlich nicht anziehe, regnet es garantiert. Und das wollte ich nicht riskieren.
Es hat dann auch nicht geregnet, aber für die Fahrt über die Route des Crêtes, sprich Grand Ballon und Petit Ballon, war die Entscheidung definitiv die richtige. Der Grand Ballon ist der kälteste Ort des Elsass und hat die höchsten Windstärken. Zudem verläuft die 77 km lange Route des Crêtes zwischen 950 und 1250 Metern Höhe. Der höchste Punkt ist der 1.343 Meter hohe Pass zwischen dem Markstein und dem Hartmannswillerkopf in der Nähe des Grand Ballon.
Auf Deutsch . . . es war lausig kalt da oben.
LAUSIG KALT.
Ich war froh, als wir dann endlich wieder dauerhaft im Tal waren. Aber ein gutes hatte das komische Wetter. Die Route des Crêtes, die sonst extrem voll mit Rad- und Motorradfahrern ist, war leer. Es war fast niemand unterwegs. Fast niemand. Irgendein Spielgefährte findet sich immer für meinen geliebten Kuhtreiber. So auch heute. Er hatte jedenfalls seinen Spaß mit einem KTM-Fahrer, der ebenfalls nach einem Spielgefährten Ausschau gehalten hatte.
Mir war nur kalt.
Trotz Thermoklamotten.
Trotz Regenhose.
Meine Freude über die Rückkehr ins Tal sollte sich aber bald geben. Die Strecke Richtung Strasbourg führt dann über die Nationalstraße und bot dementsprechend dann auch Geschwindigkeit. Und somit auch nur noch eine „starre“ Sitzposition. Blöd. Fand jedenfalls mein Oberschenkel.
Gut, bei der Pause auf Höhe von Baden-Baden konnte ich durch Hin- und Herlaufen das ganze wieder ein wenig lockern, aber ich habe ehrlich nicht mit dem gerechnet, das dann kam.
Mein Lieblingskuhtreiber startet dann auch der A5 durch gen Heimat. Und Autobahn auf dem Motorrad ist die Hölle. Wirklich. 140 km/h kommt einem im Auto nicht viel vor. Bei ungeschützter Fahrt auf einem Zweirad sieht die Sache völlig anders aus. Der entstehende Winddruck macht es einem fast unmöglich, die Sitzposition zu ändern.
Und so beschloss dann mein lädierter Oberschenkel (ich verweise noch einmal auf das Hundevieh) auf Höhe des Heidelberger Kreuzes, dass es ihm reicht. Nachdrücklich. Das tat dann schon ganz gut weh. Bis Darmstadt hatte ich das dann irgendwie wieder auf ein erträgliches Maß reduziert. Nur musste mein Lieblingskuhtreiber aufgrund des idiotischen Verhaltes eines absolut rücksichtslosen „Dosenfahrers“ zur Notbremsung greifen.
Ich verstehe das nicht. Man soll sich umschauen, BEVOR man auf der Autobahn die Spur wechselt. Das scheint der Gute aber nicht getan zu haben. Sonst hätte er uns nicht fast vom Motorrad gekickt. Bei 140 km/h. Adrenalin pur. Und mein Oberschenkel dankte es mir mit einem Krampf.
Lecker. Macht Spaß.
Aber mal so richtig.
Die Tränen liefen dann irgendwann nur noch und das Absteigen, oder besser herunterfallenlassen, vom Motorrad vor der heimatlichen Gartentür war ein Qual. Das Bein gab nach und ich musste mich am Motorrad festhalten, um nicht auf den Boden zusammenzusacken. dabei habe ich dann das Motorrad auch fast noch umgeworfen.
Der Mann an meiner Seite fand die Aktion auch nicht so richtig lustig, aber ich wusste eh nicht mehr, was ich in dem Moment noch machen sollte. Ich war einfach nur noch am Ende. Körperlich und mental. Und der Gedanke, jetzt das ganze Geraffel noch in den dritten Stock schleppen zu müssen hat eine latente Übelkeit ausgelöst.
Gut. Auch das ging dann irgendwie. Irgendwie halt.
Zähne zusammenbeißen und Treppensteigen.
Hilft ja nix.
Ein wunderbarer erster, langer, gemeinsamer Urlaub. Der aber viel zu schnell vorüber gegangen ist. Der mich zwar ein paar Male wirklich gefordert hat, der aber eine unglaubliche Entspannung hinterlassen hat. Der den Mann an meiner Seite und mich enger zusammengebracht hat. Der aber auch anstrengend war für uns beide, da wir es in den letzten Jahren einfach nicht mehr gewohnt waren, permanent jemanden um uns zu haben. Das ist nichts schlechtes, und wir wollen den anderen auch beide gerne viel öfter und länger als Gesellschaft. Aber auch das wird in diesem Jahr noch passieren. Ganz sicher.
Kilometerstand: 155.815
Gefahrene Kilometer: 3.175 - in 9 Tagen
Gefahrene Kilometer: 352 - pro Tag
Wobei man eigentlich den einen Ruhetag abziehen müsste.
Gefahrene Kilometer: 391 (korrigiert)
Für eine doch recht unerfahrene Sozia wie mich nicht gerade wenig. *selberaufdieschulterklopf*
Ja, doch viel zu kurz.
Schon Tag 8.
Fast schon vorbei.
Seufz.
Die Nacht war definitiv nicht die beste. Zum einen war es (mir) viel zu warm, weswegen ich das Fenster dann nachts doch aufgemacht habe. Das wiederum fand der Mann an meiner Seite weniger gut. Er hat dann nämlich gefroren, und entsprechend unleidlich.
Zudem kam gegen 5:00h die Müllabfuhr und machte einen infernalischen Lärm beim Zurücksetzen und Tonnenleeren. Somit waren wir dann zum ersten Mal wach. Ab 6:00h ging dann die Kirchenrandale los. Welche Glocken läuten die Uhrzeit bitte schön zweimal ??? Hallo ? Es reicht wenn es 6-mal schlägt. Wieso 10 min später dann noch mal das Ganze ?
Das einzige, was heute gut war . . . war das Frühstück. Die Hotelwirtin meinte gestern spätabends wohl zum Mann an meiner Seite, dass sie bemerkt hätte, dass die deutschen Touristen ungern Marmelade frühstücken würden. Deswegen gäbe es ein Buffet mit Wurst, Käse, Nutella, etc. So wie sie es gewohnt wären.
Boahhhhhhh.
Ich wusste gar nicht, wie sehr man sich über so eine Info freuen könnte. Gestern Abend hatte ich noch zum Mann an meiner Seite gesagt, dass ich für ein Wurstbrötchen töten könne. Und jetzt bekomme ich tatsächlich endlich mal was anders. Sensationell. Und dann noch das frisch gebackene Hausbrot. Genial.
Problematisch wird es nur, wenn der Magen vom Abendessen noch SO voll ist, dass frau überhaupt keinen Appetit hat auf irgendetwas. Da ich aber eine brave Sozia bin, habe ich auch dieses Mal zum Frühstück Nahrung runtergewürgt. Ich glaube, daran gewöhne ich mich nie.
Die Abfahrt war ein bisschen wehmütig.
Tag 2 der Rückfahrt.
Wieder ein Stück näher an Deutschland.
Wieder ein Stück näher an das, was sich ändern muss.
Wieder ein Stück näher an das, was sich ändern WIRD.
Das Wetter war nicht mehr so richtig gut. Da der Wind unangenehmer wurde und auch immer irgendwie in der Ferne der nächste Regen drohte, habe ich mich vor Fahrtbeginn zumindest in meine Regenhose geworfen. Man weiß ja nie. Und die anzuziehen dauert halt bei mir am längsten.
Kurz vor Besançon hatten wir uns dann entschieden, nicht nach Frankfurt durchzufahren (was 4 Stunden Autobahn am Stück bedeutet hätte) sondern irgendwo in den Vogesen zu übernachten. Quasi noch ein letztes Mal auf französischem Boden. Und das stellte sich dann auch als gute Entscheidung heraus.
Die Fahrt über den Ballon d'Alsace war zwar wunderschön mit tollen Kurven, aber eben auch kalt. Der Gipfel ist Teil der Wasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmeer und die Straße, die das Moseltal im Norden mit den Tälern der Savoureuse im Süden und der Doller im Osten verbindet, führt nahe dem Gipfel auf 1.171 Metern Höhe über einen Pass.
Ich war froh, zumindest die Regenhose angezogen zu haben. Die hielt die Kälte wenigstens ein bisschen ab. Die Weiterfahrt nach Sewen war dann auch nicht mehr weit. Und angesichts der (wieder einmal) drohenden Regenwolken war ich auch erleichtert, das Hotel trocken erreicht zu haben. Der Vorteil am Wetter war aber, das nur wenige Zweiräder unterwegs waren. Naja, außer vielleicht der einen Holländergruppe. Etwa 10 Personen, alle im stylischen (teuren) Maß-Leder-Rennoutfit mit integriertem Nackenhörnchen und Rennmaschinen. Aber fahren konnten die nicht. Da bin ich ja besser ! Ein Witz, was die in den Kurven angeliefert haben.
Das Logis in Sewen war zwar nicht so wirklich das modernste, aber mit seinem altehrwürdigen Charme war es doch ganz nett. Nur das die Heizung im Zimmer nicht ging war etwas blöd. Aber da wir eh am nächsten Tag Zuhause sein würden, machte eine Entscheidung gegen die abendliche Dusche relativ leicht. Das Abendessen war gut, aber im Vergleich zur leichten Küche im Süden Frankreichs dann doch eher „Holzfällerküche“. Ja, es hat wirklich gut geschmeckt, aber man merkt den deutschen Einschlag doch schon sehr. Die Vogesen sind eben deutsch geprägt. Lässt sich nicht leugnen.

